Bangkok: ein einziger Verkehrsstau; Kuala Lumpur: auf Verkehrsinseln überlebend; Singapore: dem Innenstadt-Kollaps entrinnendes Fahrverbot; Jakarta: eine rollende Hölle - Autos als Ausdruck des Aufschwungs der ruhmreichen Tiger-Staaten. Dagegen die großen Städte der ärmeren süd-ost-asiatischen Länder. Rangun, Vientianne, Phnom Penh: Motorräder überwiegen Autos, immer noch Fahrräder, immer noch Cyclos, immer noch eher geruhsam, eher stressfrei.
Und Saigon?
Acht Millionen Einwohner auf ~2.000qkm, davon 75% auf den 10*20km des eigentlichen Stadtkerns. Unterwegs auf über einer Million Motorrädern, sich durch größtenteils enge Strassen quetschend, von LKWs, Autos, Cyclos, rollenden Verkaufsständen und Fußgängern aus dem Fluß gebracht, von der Polizei mühsam geregelt. Jede Sekunde ein Beinahe-Unfall. Das Ganze untermalt vom Gehupe der Fahrer, dem Geknatter der Motoren, dem Lautsprechergeplärre der unzähligen Geschäfte links und rechts und vor und hinter einem. Hier herrscht Hochspannung, 1000 ungeschützt fließende Volt.
Und dann jeden Morgen durch dieses Gewimmel, in dem sich scheinbar niemand an irgendwelche Regeln hält; rote Ampel, Einbahnstraße, durchgezogene Mittellinie, alles irrelevant, man fährt, wo Platz ist, notfalls auf der anderen Straßenseite.
Eine eigentlich zweispurige Straße hat tatsächlich viele Spuren. Ganz rechts (!) der Gegenverkehr, dem es zu aufwendig war, beim Linksabbiegen auf die richtige Spur zu fahren. Dazu Fahrräder, Fußgänger, Karren, rollende Verkaufsstände - die "Schwachen". Dann der eigentliche Strom von Motorrädern. Auf der Straßenmitte Autos und LKWs. Sodann der Motorradstrom der Gegenrichtung und die "Schwachen und Bequemen".
So weit, so gut, wenn da nicht noch die Cyclos wären, die dort fahren, wo es am wenigsten Anstrengung kostet und die nur ausweichen oder bremsen, wenn es dann überhaupt nicht mehr anders geht. Und das wird von allen respektiert und folglich muss selbst ausgewichen werden. Also ein kleiner Schwenk des ganzen Bienenschwarms nach rechts und links. Der Schwenk nach links ist besonders beliebt, kann man doch in der Straßenmitte viel schneller fahren. Wenn bloß dieser Gegenverkehr nicht wäre - aber der kann ja auch ausweichen. Nur ist auch denen "links" lieber, was somit oft in "durcheinander" resultiert.
Auf gerader Strecke noch ganz manierlich, wird es an Kreuzungen besonders spannend. An manchen stehen ja Ampeln, jedoch die Vorstellung, daß sich jeder daran hält, ist irrig - hupen tut's doch auch. Also wieder ausweichen, gilt doch "wer bremst, verliert". Und bei ampellosen Kreuzungen oder Straßeneinmündungen heist es grundsätzlich "erst mal hinein" - der Entgegenkommende will bestimmt eh' gerade anhalten, um etwas einzukaufen.
Eine Steigerung des Ganzen dann beim Kreisverkehr. Paris lässt grüßen, denn rechts hat Vorfahrt. Die wird zwar genutzt, jedoch nicht beachtet - und somit entwickelt sich ein unglaubliches Spektakel, das einen eigenen Namen verdient hätte; die Kreisel zumindest tragen schon einen, sofern die Anzahl einmündender Straßen sechs, sieben oder mehr beträgt.
So, rein ins Vergnügen und einen geschützten Platz neben einem Auto oder einem anderen Motorrad suchen. Kurz Gas geben, durch hupen unterstützt, um vor den anderen zu kommen. Soll der doch bremsen. Dann, beim nächsten "Hindernis" ausweichen, oh, da kommt grad einer - hupen, schnell vor ihn fahren, geht nicht, da war ein kreuzendes Auto schneller. Mist, also vom Gas, so 'was, jetzt kommen die in Horden von rechts. Also ganz langsam rein rollen, die weichen schon aus... Jetzt ist man durch - aber nur durch den Kreisel, die Straße hier ist richtig voll. Mopeds links und rechts, vor und hinter einem, manchmal keine zehn Zentimeter Platz, eigentlich könnte man auch einen Plausch halten, nahe genug ist man sich schon.
Sich fahren lassen und dabei entspannt "zurücklehnen" und die Gegend anschauen, ist nicht - die ersten Tage wußte ich noch nicht 'mal, welchen Weg wir fuhren, so war ich darauf konzentriert, jeden Moment abzuspringen, um mich in Sicherheit zu bringen.
Na, so war ich zumindest richtig wach, wenn ich schließlich auf der Arbeit ankam.
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